Insolvenz mit 22: Heute 3 Firmen – Julius Hüther im Podcast

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Mit 22 Jahren feiern viele ihre ersten eigenen Erfolge. Julius Hüther musste zu diesem Zeitpunkt Insolvenz anmelden.

Knapp 1 Million Euro. Privatinsolvenz. Und das Gefühl, alles verloren zu haben.

Heute ist Julius 31 Jahre alt, führt einen Baubetrieb in der Pfalz, baut Safari-Camps aus Containern in Tansania und gründet gerade sein drittes Unternehmen auf Sardinien.

Im deutschen Podcast „Erfolg ist kein Zufall by Hama“ erzählt der Jungunternehmer offen, wie es zur Insolvenz kam und warum er heute sagt:

„Die beste Zeit und die beste Ausbildung, die ich in meinem Leben hatte, war die Zeit, in der ich in der Insolvenz war.“

Viel zu früh selbstständig, viel zu schnell zu groß

Julius machte sich sehr jung selbstständig. Kurz nach seiner Ausbildung, mit gerade einmal 18 Jahren, wie er im Podcast erzählt.

Er hatte früh geheiratet und wollte seiner Frau etwas bieten.

Sein Gedanke damals:

Lieber 60 Stunden in die eigene Tasche arbeiten als 40 Stunden in eine fremde.

Das Problem: Es fehlte die Erfahrung.

Julius sagt selbst, dass er sich mit viel zu wenig Ahnung selbstständig gemacht hat. Sein Umfeld bestärkte ihn. Wenn der andere es schafft, schaffst du es auch.

Was er damals nicht sah: Hinter vielen erfolgreichen Unternehmen steckt viel mehr, als man von außen erkennt.

Eine Zeit lang lief es gut. Er verdiente gutes Geld.

Doch sein Opa hatte ihm einen Satz mitgegeben, den er erst später verstand:

„Hinter jedem Berg sind Schluchten.“

Der Fehler mit den Baumaschinen

Ins Straucheln kam sein Unternehmen nach eigener Aussage etwa ein Jahr vor der Insolvenz.

Der Grund war eine Fehlentscheidung.

Julius wollte wachsen und vergrößerte den Fuhrpark. Er kaufte weitere Baumaschinen.

Allerdings, bevor die Aufträge dafür da waren.

Er beschreibt es im Podcast so: Statt zuerst die Arbeit zu haben und dann die Maschinen zu kaufen, kaufte er erst die Maschinen und suchte dann die Arbeit dazu.

Heute würde er es anders machen.

Lieber einem Kunden sagen, dass es einen Monat länger dauert, als auf einer teuren Maschine sitzen zu bleiben, die jeden Monat Geld kostet.

„Papa, ich habe ein Problem“

Etwa drei Monate vor der Insolvenzeröffnung ging Julius zu seinem Vater.

Sein Vater ist selbst erfolgreicher Unternehmer. Er hatte ihn schon früher gewarnt.

Damals hatte Julius nicht auf ihn gehört.

Jetzt legte er ihm die Zahlen auf den Tisch.

Die Antwort seines Vaters war klar: So kannst du nicht weitermachen.

Zum ersten Mal hörte Julius auf ihn. Rückblickend nennt er das die beste Entscheidung.

Insolvenz mit 22: Knapp 1 Million Euro

Wie hoch war die Summe?

Zu Beginn der Insolvenz ging es nach Aussage von Julius um knapp eine Million Euro.

Da er ein Einzelunternehmen geführt hatte, musste er eine Privatinsolvenz durchlaufen. Damals noch nach altem Recht: sieben Jahre, mit der Möglichkeit, auf fünf Jahre zu verkürzen.

Julius und seine Familie schafften die Verkürzung, weil sie sich konsequent an alle Regeln hielten.

Die Zeit war hart. Er erzählt, dass er sich als absoluter Versager gefühlt hat. Und dass er sich gefragt hat, was die Leute jetzt von ihm denken.

Gleichzeitig ist er dem deutschen Staat bis heute dankbar. In Deutschland könne man etwas versuchen, scheitern und trotzdem wieder aufstehen.

Warum die Insolvenz seine beste Ausbildung war

Nach der Insolvenz ging Julius in ein Angestelltenverhältnis.

Auch aus Angst, noch einmal zu scheitern.

Sein Arbeitgeber erkannte sein Potenzial und holte ihn schnell in eine leitende Position. Später wurde er Standortleiter im Bereich Rohrleitungsbau und Tiefbau.

Genau dort lernte er am meisten.

Er konnte Fehler machen, die nicht er selbst bezahlen musste, sondern die ein großes, stabiles Unternehmen auffing.

Seine wichtigste Erkenntnis daraus:

Du darfst im Leben so viele Fehler machen, wie du willst. Aber du solltest keinen Fehler zweimal machen.

In den USA bist du erst wer, wenn du schon mal pleite warst

Julius spricht im Podcast auch darüber, wie unterschiedlich Scheitern bewertet wird.

In Deutschland gelte man nach einer Insolvenz schnell als „verbrannt“.

In den USA sei das anders. Dort heiße es eher: Der weiß, wie es ist, am Boden zu sein. Der macht diese Fehler nicht noch einmal.

Er hat beides erlebt. Menschen, die ihn während der Insolvenz fallen ließen. Und Menschen und Firmen, die selbst Geld verloren hatten und trotzdem sagten: Wir probieren es noch einmal mit dir.

Sein Appell deshalb: No judging.

Wer einmal oder sogar zweimal gescheitert ist, kann es beim dritten Mal schaffen.

Der Neustart: Seine Frau und zwei Freunde

Als Angestellter verdiente Julius gutes Geld. Glücklich war er trotzdem nicht.

Er war nie jemand, der sich gut unterordnen konnte. Als ein neuer Vorgesetzter kam, der keine Ideen mehr annahm, merkte seine Frau, wie unglücklich er war.

Sie sagte: Lass es uns noch einmal versuchen.

Wenig später kamen zwei gute Freunde auf ihn zu. Zu dritt gründeten sie ein Unternehmen für Sanierung und Facility Management.

Es lief gut. So gut, dass Julius bald den Großteil der Arbeit machte.

Dann passierte etwas, das er nie vergessen wird.

Die beiden Freunde sagten: Julius, du rockst den Laden ohne uns. Wir haben dir Starthilfe gegeben. Wir gehen raus.

Und sie überließen ihm das Unternehmen nach seinen Worten komplett kostenlos.

Weil Julius noch in der Insolvenz steckte, übernahm seine Frau das Unternehmen auf ihren Namen. Unter einer Bedingung: Wenn er merkt, dass etwas schiefgeht, sagt er es sofort.

Heute: Bau in der Pfalz, Safari-Camps in Tansania, eine Firma auf Sardinien

Heute ist die Insolvenz lange vorbei.

Julius führt die LH Baudienstleistungen mit rund zehn Mitarbeitern in Frankenthal und Heßheim. Das Unternehmen baut spezielle Restaurants und Läden aus, baut Pools, legt Gärten an und saniert Altbauten.

Nach seinen Worten trägt dieses Unternehmen alle Kosten. Es ernährt die Familie.

Daneben ist er Geschäftsführer der Tempo Tiny GmbH.

Die Idee entstand an einem Lagerfeuer in der Serengeti. Ein tansanischer Geschäftspartner beschwerte sich über kaputte Zelte. Ein Safari-Zelt kostet nach dessen Angaben 17.000 bis 20.000 US-Dollar.

Feste Gebäude sind in der Serengeti nicht erlaubt. Alles muss innerhalb von sieben Tagen rückstandslos abbaubar sein.

Julius‘ Lösung: Tiny Houses aus Containern.

Sein Team baute einen Prototyp in Deutschland. Als der Geschäftspartner ihn sah, hat er laut Julius fast geweint.

Und dann ist da noch Sardinien.

Die Idee für sein drittes Unternehmen entstand auf einer Mülldeponie. Dort traf Julius viele Schweizer und Österreicher, die ihre Ferienhäuser selbst renovierten, weil sie keine zuverlässigen Handwerker fanden.

Er verteilte seine Karte. Kurz darauf wurde er in WhatsApp-Gruppen empfohlen, bevor er überhaupt für jemanden gearbeitet hatte.

Jetzt baut er dort eine Agentur auf, die Ferienhäuser pflegt, renoviert und saniert.

400.000 Euro Projekt und 40 Prozent Marge

Natürlich fragt Hama auch nach den Zahlen.

Das umsatzstärkste Projekt von Julius lag bei 400.000 Euro.

Bei der Marge peilt er im Schnitt rund 40 Prozent an. Fällt sie unter 20 Prozent, hat er nach eigener Aussage etwas falsch gemacht.

Wie viel arbeitet ein Unternehmer wirklich?

Bei dieser Frage wird Julius im Podcast tatsächlich kurz sprachlos.

Sein Tag beginnt um 5 Uhr morgens bei seinen Tieren. Julius hat in Heßheim einen kleinen Tierpark aufgebaut, mit dem er Projektwochen für Schulen und Kindergärten organisiert.

Um 6 Uhr sitzt er im Büro. Draußen unterwegs ist er nach eigener Schätzung 12 bis 13 Stunden am Tag.

Auf dem Papier macht er vier bis sechs Wochen Urlaub im Jahr.

Doch einen Satz hat er von einem großen Unternehmer aus Frankenthal übernommen:

„Ich gehe nicht in Urlaub. Ich arbeite nur an einem anderen Ort.“

Drei Dinge, die ein junges Unternehmen braucht

Für Julius gibt es drei Grundlagen, um ein junges Unternehmen erfolgreich zu führen:

  1. Rückhalt von zu Hause. Vor allem von seiner Frau, die ihm in allem außerhalb des Unternehmens den Rücken freihält.
  2. Durchhaltevermögen. Aufgeben gibt es nicht.
  3. Ein gutes Team. Seine Mitarbeiter beschreibt er wie Brüder.

Und zur Insolvenz sagt er:

„Insolvenz ist nicht aufgeben. Insolvenz ist pausieren.“

Was würde Julius seinem 17-jährigen Ich sagen?

Am Ende stellt Hama seine bekannte Frage.

Julius‘ drei Tipps:

Bildung ernst nehmen. Julius stammt aus einer Familie von Akademikern, hat selbst aber nur einen Hauptschulabschluss. Heute würde er sich sagen: Häng noch ein Jahr dran und mach wenigstens die mittlere Reife.

Bleib dir selbst treu. Verstell dich nicht. Wenn dir jemand keinen Auftrag gibt, hat er den eigentlichen Verlust, nicht du.

Hör auf deinen Papa. Er weiß, was er sagt. Und er meint es gut.

Die ganze Geschichte im Podcast ansehen

Im deutschen Podcast „Erfolg ist kein Zufall by Hama“ spricht Hama ausführlich mit Jungunternehmer Julius Hüther über seine Insolvenz mit 22, den Neustart und seine Unternehmen in Deutschland, Tansania und auf Sardinien.

Die beiden sprechen über Privatinsolvenz, Fehler in der Selbstständigkeit, Familie, Freundschaft, Bürokratie in Deutschland, Bestechung in Afrika, 400.000 Euro Projekte und die Frage, wie viel ein Unternehmer wirklich arbeitet.

Die komplette Podcast-Folge ansehen:

YouTube: https://youtu.be/TuDwIILKTqI

Spotify: https://open.spotify.com/episode/35KBLKwneu1zwE0UlyDpNV?si=tzblwFPyRyOGwaUj3Il5Ww

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Häufige Fragen zur Folge

Wer ist Julius Hüther?

Julius Hüther ist ein 31-jähriger Jungunternehmer aus Frankenthal. Er führt die LH Baudienstleistungen, ist Geschäftsführer der Tempo Tiny GmbH und baut eine Agentur auf Sardinien auf.

Wie alt war Julius Hüther bei seiner Insolvenz?

Julius war 22 Jahre alt, als er Insolvenz anmelden musste. Zu Beginn ging es um knapp eine Million Euro.

Warum ist Julius Hüther in die Insolvenz geraten?

Nach eigener Aussage hat er sich zu früh und mit zu wenig Erfahrung selbstständig gemacht. Der entscheidende Fehler war, Baumaschinen zu kaufen, bevor genug Aufträge dafür da waren.

Kann man nach einer Privatinsolvenz wieder erfolgreich werden?

Die Geschichte von Julius zeigt, dass es möglich ist. Er sagt selbst: Eine Insolvenz ist kein Aufgeben, sondern ein Pausieren. Danach kann man wieder anfangen.

Über den Gast

Julius Hüther
LH Baudienstleistungen
Tempo Tiny GmbH

Instagram: https://www.instagram.com/juls_fundi/

Über „Erfolg ist kein Zufall by Hama“

Im Podcast „Erfolg ist kein Zufall by Hama“ spricht Kajau Hama Amin mit Unternehmern, Sportlern, Politikern und anderen interessanten Persönlichkeiten über ihren Weg.

Es geht um die Geschichten hinter dem Erfolg.

Um Geld.

Um Rückschläge.

Um Entscheidungen.

Und vor allem um die Dinge, die man von anderen Menschen lernen kann.